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Burg Giebichenstein Halle: die Kunsthochschule und die Geschichte der Burg

Die Burg Giebichenstein in Halle (Saale) ist zugleich Burgruine und Kunsthochschule: In der Unterburg arbeitet die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle, über ihr stehen die Reste der Oberburg. Die Burg ist seit 961 belegt, die Schule seit 1915.

Die Ruine der Oberburg Giebichenstein auf einem verschneiten Felsen, darüber ein Turm mit dunklem Spitzdach

Foto: Romzig, Wikimedia Commons (öffnet in neuem Tab) (CC0)

Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle

1915 übernahm der Architekt Paul Thiersch die städtische Handwerkerschule und richtete sie nach den Ideen des Deutschen Werkbundes neu aus. Die Schule ist älter als das Bauhaus (1919) und wird als dessen Alternative beschrieben. Unterrichtet wurde in Werkstätten und künstlerischen Fachklassen ohne feste Lehrpläne, unter anderem in Tischlerei, Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Textilgestaltung und Fotografie, außerdem in Keramik und Buchgestaltung.

Geschichte der Hochschule in Daten

  • 1915: Paul Thiersch reformiert die städtische Handwerkerschule.
  • 1921/22: Die Unterburg, von der Stadt 1918 erworben, wird für die Schule umgebaut; die Schule zieht ein.
  • Nach 1925: Mehrere frühere Bauhaus-Angehörige lehren an der Burg, nachdem das Bauhaus Weimar verlassen hat.
  • 1927: Werkstätten und Studierende der Burg statten unter Thiersch Wohnungen im Mehrfamilienhaus von Peter Behrens in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung aus.
  • 1928 bis 1933: Der Bildhauer Gerhard Marcks leitet die Schule. Seine Skulpturen eines Pferdes und einer Kuh stehen auf der Giebichensteinbrücke, die 1926 bis 1928 gebaut wurde.
  • 1930 bis 1931: Hans Wittwer entwirft das Flughafenrestaurant in Halle.
  • 1933: Das NS-Regime entlässt Marcks und weitere Lehrende.
  • 1946/1950: Walter Funkat (1906 bis 2006), Schüler am Bauhaus Dessau, lehrt ab 1946, leitet die Schule ab 1950 und ist von 1958 bis 1964 erster Rektor.
  • 1958: Die Schule wird zur Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein, mit Industriedesign als erklärtem Ziel.
  • 1975: Die freie Kunst kehrt zurück, nachdem das Design Malerei und Bildhauerei zurückgedrängt hatte; später kommen Medienkunst, Glas und Kommunikationsdesign hinzu.
  • 1989: Umbenennung in „Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle“.
  • 2010: Der heutige Name „Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“.
  • 2013: Promotionsrecht in den Designwissenschaften.

Zu den Lehrenden vor 1933 zählen Gerhard Marcks (Bildhauerei), Charles Crodel und Erwin Hahs (Malerei und Grafik), Marguerite Friedlaender (Keramik), Hans Wittwer (Architektur) und Benita Koch-Otte (Weberei und Textil). Isolde Schmitt-Menzel (1930 bis 2022), die in Halle Buch- und Schriftgrafik sowie freie Keramik studierte, schuf die Maus der „Sendung mit der Maus“; sie erschien 1971 erstmals im Fernsehen, die ersten Entwürfe für den WDR entstanden 1970.

Die Hochschule heute

Die Hochschule gliedert sich in die Bereiche Kunst und Design; Wikipedia nennt rund 20 Studiengänge, je nach Zählweise liegt die Zahl höher oder niedriger. Abschlüsse sind Diplom, Bachelor, Master und Lehramt sowie das Meisterschülerstudium. Die Standorte heißen Campus Design und Campus Kunst; öffentlicher Ausstellungsraum der Hochschule ist die Burg Galerie im Volkspark. Die Kunstausstellungen der Stadt stehen im Ausstellungsarchiv; ein Beispiel ist die Ausstellung zum Kunstpreis für Diplomarbeiten.

Die Geschichte der Burg Giebichenstein in Halle

Die Geschichte der Burg reicht von der ersten Erwähnung bis zur Ruine der Oberburg; die Geschichte der Hochschule steht im Abschnitt davor.

  • 961: König Otto I. schenkt den Burgort Giebichenstein dem Moritzkloster in Magdeburg; es ist die erste urkundliche Erwähnung.
  • 968: Das Erzbistum Magdeburg wird gegründet, die Burg kommt unter die Erzbischöfe.
  • 1154: Erzbischof Wichmann (im Amt 1152 bis 1192) urkundet seit 1154 auf Giebichenstein; in seine Zeit fällt der Neubau der steinernen Oberburg. Zu ihr gehörten ein Palas, eine Kapelle, ein Wohnturm und Nebengebäude.
  • 1361 bis 1368: Ausbau der Oberburg unter Erzbischof Dietrich.
  • 1382: Die Burg ist Hauptresidenz der Erzbischöfe.
  • 1445 bis 1464: Die Unterburg entsteht unter den Erzbischöfen Günther II. und Friedrich III., mit Ringmauer, Flankentürmen, Graben, Torhaus und Torhof.
  • Dreißigjähriger Krieg: Auf die schwedische Besetzung folgt ein Brand, der die Oberburg und einen Teil der Unterburg zerstört. Das Jahr nennen die Quellen unterschiedlich (1636 oder 1637). Die Oberburg wurde nie wieder aufgebaut, die Unterburg repariert und weiter genutzt.
  • 1706: Im Ostteil der Unterburg entsteht ein barockes Herrenhaus.
  • 1838 bis 1844: Die Ruine wird im Geist der Romantik gesichert, mit Pergola und dem „Fenster Ludwigs des Springers“; als Veranlasser gilt der preußische König Friedrich Wilhelm IV.
  • 1906: Die Stadt Halle kauft die Oberburg-Ruine von der preußischen Domänenverwaltung.
  • 1966: Die Oberburg wird Architekturmuseum.

Erhalten sind unter anderem die Ringmauer, ein Torturm mit romanischem Sockel und gotischem Oberteil, ein Gewölbekeller, ein romanischer Eckturm und Fundamentreste des 12. und 13. Jahrhunderts. Die Oberburg liegt an der Straße der Romanik und ist ein Standort des Stadtmuseums Halle.

Giebichenstein und die Romantik

Der Komponist und Schriftsteller Johann Friedrich Reichardt (1752 bis 1814) ließ sich in den 1790er-Jahren in Giebichenstein nieder. Sein Garten, die „Herberge der Romantik“, wurde Treffpunkt von Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern; zu den Gästen zählten Ludwig Tieck, die Brüder Schlegel, Novalis, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Goethe. Joseph von Eichendorff, 1805 bis 1806 Student in Halle, kannte die Burgruine.

Zur Burg erzählt man außerdem eine Sage: Landgraf Ludwig der Springer sei in der Haft durch ein Fenster entkommen oder in die Saale gesprungen. Einen historischen Beleg dafür gibt es nicht. Wer die zweite große Burg der Stadt mit Kunstmuseum kennenlernen will, findet sie auf der Seite zur Moritzburg Halle.

Häufige Fragen

Was ist die Burg Giebichenstein in Halle?

Die Burg Giebichenstein liegt in Halle (Saale) über der Saale und besteht aus zwei Teilen: Die Oberburg ist als Ruine erhalten und gehört zu einem Standort des Stadtmuseums Halle, in der Unterburg sitzt die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle.

Wann wurde die Burg Giebichenstein erstmals erwähnt?

Der Burgort Giebichenstein ist 961 erstmals urkundlich belegt: König Otto I. schenkte ihn damals dem Moritzkloster in Magdeburg. 968 wurde das Erzbistum Magdeburg gegründet, und die Burg kam unter die Herrschaft der Erzbischöfe. Erzbischof Wichmann urkundet seit 1154 auf Giebichenstein; in seine Zeit fällt der Neubau der steinernen Oberburg.

Wann entstand die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle?

1915 übernahm der Architekt Paul Thiersch die städtische Handwerkerschule in Halle und richtete sie nach den Ideen des Deutschen Werkbundes neu aus. In die Unterburg zog die Schule 1921/22. Ihren heutigen Namen „Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“ trägt sie seit 2010.

Welche Bereiche und Abschlüsse gibt es an der Kunsthochschule?

Die Hochschule gliedert sich in die Bereiche Kunst und Design; Wikipedia nennt rund 20 Studiengänge, je nach Zählweise liegt die Zahl höher oder niedriger. Abschlüsse sind Diplom, Bachelor, Master und Lehramt sowie ein Meisterschülerstudium; seit 2013 besteht das Promotionsrecht in den Designwissenschaften.

Was ist von der Oberburg erhalten?

Erhalten sind unter anderem die Ringmauer, ein Torturm mit romanischem Sockel und gotischem Oberteil, ein Gewölbekeller, ein romanischer Eckturm sowie Fundamentreste aus dem 12. und 13. Jahrhundert.