Moritzburg Halle: das Kunstmuseum, seine Ausstellungen und die Geschichte der Burg
Die Moritzburg Halle liegt in Halle (Saale) und ist zugleich eine spätgotische Residenzburg und ein Kunstmuseum. Das Kunstmuseum Moritzburg Halle zeigt seine Ausstellungen in den Mauern einer Anlage, die als Residenz der Magdeburger Erzbischöfe gebaut wurde und im 17. Jahrhundert zu großen Teilen zerstört wurde.
Foto: Romzig, Wikimedia Commons (öffnet in neuem Tab) (CC0)
Das Kunstmuseum Moritzburg Halle
Die Geschichte des Museums beginnt 1885 als „Städtisches Museum für Kunst und Kunstgewerbe“. 1904 zog es in das Talamt im Südflügel der Burg, 1921 kamen die Gemälde in die Kuppelsaal, und Kunst und Kunstgewerbe waren damit dauerhaft in der Moritzburg vereint. Nach 111 Jahren städtischer Trägerschaft wurde es 1996 Landesmuseum, 2003 entstand die „Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt“. Seit 2014 verwaltet die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt die Stiftung treuhänderisch; seitdem heißt das Haus „Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)“.
Die Sammlung in Zahlen
| Bereich | Bestand laut Museum |
|---|---|
| Gemälde | mehr als 1.700 |
| Grafik (Zeichnungen, Druckgrafik) | rund 36.000 |
| Skulpturen | mehr als 800 |
| Fotografie | rund 90.000 |
| Angewandte Kunst und Design | rund 8.000 |
| Münzen und Medaillen | rund 50.000, dazu 60.000 Banknoten |
| Gesamtbestand | rund 250.000 Objekte |
Der Schwerpunkt liegt auf deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts, auf Expressionismus und klassischer Moderne. Zu den dokumentierten Werken im Besitz des Hauses gehören Gustav Klimts „Bildnis Marie Henneberg“ (1901/02) und Max Beckmanns „Doppelbildnis Max Beckmann und Minna Beckmann-Tube“ (1909). Die Sammlung Kracht mit Werken von Franz Marc ist als Dauerleihgabe im Haus.
Feininger und die Aktion „Entartete Kunst“
Lyonel Feininger hatte von 1929 bis 1931 ein Atelier im Torturm und malte einen Zyklus von elf Bildern von Halle. Im Sommer 1937 verlor das Museum bei der Aktion „Entartete Kunst“ 146 bis 147 Werke (die Angaben des Museums weichen um eins ab). Bis heute sind 14 bis 15 davon zurückerworben, zuletzt im März 2017 Wassily Kandinskys Aquarell „Abstieg“ (1925). Drei der Feininger-Bilder sind wieder im Haus: „Der Dom in Halle“, „Marienkirche mit dem Pfeil“ und „Roter Turm I“.
Direktoren
- Max Sauerlandt, ab 1908: baute die moderne Sammlung auf.
- Alois Schardt, ab 1926: 1936 in den Ruhestand geschickt.
- Gerhard Händler (1906 bis 1982): erster Direktor nach dem Krieg.
Ausstellungen in der Moritzburg Halle
Zu den Moritzburg Halle Ausstellungen zählen belegt:
- 2013: „Emil Nolde. Farben heiß und heilig“, zum 100. Jahrestag des Ankaufs von Noldes „Das letzte Abendmahl“.
- 2016/17: die Doppelausstellung „inmitten – am Rande“ von Wasja Götze, parallel im Kunstforum der Stiftung der Saalesparkasse (Seite zur Ausstellung).
- 2018/2019: eine Gustav-Klimt-Ausstellung mit dem „Bildnis Marie Henneberg“ im Mittelpunkt.
- 29. September 2019 bis 12. Januar 2020: „Bauhaus Meister Moderne. DAS COMEBACK“, mit knapp 40 verlorenen Werken als Leihgaben und mehr als 300 nicht beschlagnahmten Werken.
Weitere Moritzburg Halle Ausstellungen und die Ausstellungen anderer Kunstorte stehen im Ausstellungsarchiv.
Die Geschichte der Moritzburg Halle
Die Geschichte der Burg lässt sich an wenigen belegten Daten festmachen, vom Grundstein bis zum Museum.
- 1479: Vermessung und Planung beginnen.
- 1484: Erzbischof Ernst von Sachsen legt den Grundstein.
- 1503: Die Burg ist weitgehend fertig, der Erzbischof zieht ein. Die Anlage ist rund 72 mal 85 Meter groß; die Kosten beliefen sich nach Angabe Erzbischof Ernsts auf dem Landtag von 1507 auf mehr als 150.000 Gulden.
- Unter Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490 bis 1545): Blütezeit; das „Hallesche Heiltum“ umfasste nach den überlieferten Verzeichnissen 353 Reliquiare mit mehr als 21.000 Einzelreliquien.
- 1637: Ein Brand macht die Burg unbewohnbar und zerstört die Ausstattung fast vollständig.
- 1680: Die Moritzburg fällt gemäß dem Westfälischen Frieden an Brandenburg.
- 1777: Ein barockes Lazarett entsteht zwischen Torturm und Kapelle; es beherbergt heute die Museumsverwaltung.
- 1829: Karl Friedrich Schinkel entwirft einen Umbau der Ruine für die Universität; der Entwurf wird nicht verwirklicht.
- 1847 bis 1852: Der preußische Staat kauft die Ruine für 24.800 Taler.
- Kurz vor 1900: Die Stadt baut den Nordflügel für das Institut für Leibesübungen der Universität um.
- 1904: Das Talamt, ein Nachbau des in den frühen 1880er-Jahren abgerissenen Talamts am Hallmarkt, des Amtshauses der Halloren, wird im Südflügel fertig.
- Bis 1917: Die Kuppelsaal im Südostturm nach dem Vorbild des Pantheons in Rom wird fertig.
Der Umbau von 2005 bis 2008
Der Westflügel blieb bis zum Umbau Ruine. Im Herbst 2003 wurde ein europaweiter, nicht offener Wettbewerb ausgeschrieben (Bewerbungsschluss 5. Dezember 2003), die Jury entschied am 11. Juni 2004. Gewonnen hat Nieto Sobejano Arquitectos; Bauherr war die Stiftung Moritzburg. Gebaut wurde von 2005 bis 2008, eine Vorbesichtigung fand vom 3. bis 5. Oktober 2008 statt, die öffentliche Eröffnung folgte am 13. Dezember 2008.
Über der Ruine liegt eine gefaltete, mit Aluminium verkleidete Dachplattform mit plastisch geformten Oberlichtern, die durch eine Fuge über der Mauerkrone zu schweben scheint. Die oberen Ausstellungsräume hängen als weiße Kästen an der Stahlkonstruktion des Daches und sind über eine Galerie an den Außenmauern erreichbar; das Mauerwerk des Westflügels bleibt sichtbar. Verwendet wurden unter anderem Aluminium, Stahl, graugrüne Faserzementplatten, Glas und historischer Naturstein. Der Umbau erhielt 2010 den BDA-Architekturpreis „Nike“ in der Kategorie „beste atmosphärische Wirkung“ und 2012 den Hannes-Meyer-Preis.
Häufige Fragen
Wann wurde die Moritzburg Halle gebaut?
Die Planung der Moritzburg in Halle (Saale) begann 1479, der Grundstein wurde 1484 gelegt, und 1503 war die Burg weitgehend fertig: In diesem Jahr zog Erzbischof Ernst von Sachsen ein. Die Anlage hat vier Flügel um einen Hof und wurde als Residenz der Magdeburger Erzbischöfe gebaut.
Was sammelt das Kunstmuseum Moritzburg Halle?
Das Kunstmuseum Moritzburg Halle sammelt Gemälde, Skulpturen, Grafik, Fotografie, angewandte Kunst und Design sowie Münzen und Medaillen. Der Schwerpunkt liegt auf deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts, auf Expressionismus und klassischer Moderne. Insgesamt umfasst die Sammlung rund 250.000 Objekte.
Wer entwarf den Umbau der Moritzburg?
Den Wettbewerb für die Erweiterung gewann das Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos (Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano, Madrid und Berlin). Gebaut wurde von 2005 bis 2008; die Eröffnung war 2008.
Warum heißt die Burg Moritzburg?
Sie ist nach dem heiligen Mauritius benannt, dem Patron des Erzbistums Magdeburg.
Zieht das Kunstmuseum Moritzburg Halle um?
Nach Presseberichten vom Mai 2026 ist geplant, dass das Museum im Herbst 2028 für etwa vier Jahre in das frühere Kaufhof-Gebäude am Markt zieht, weil Burgbrücke, technische Infrastruktur und das Dach des Erweiterungsbaus saniert werden. Für Sanierung und Interimsquartier sind rund 25 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm von Bund und Land vorgesehen.